Editorial: Anstoß für tiefere Debatten

Die Lebens- und Arbeitswelt „einfacher Menschen“ ins öffentliche Bild und Bewusstsein setzen! Das war und ist Ziel des Verbandes Arbeiterfotografie, der in diesem Jahr sein 80jähriges Bestehen feiert. Seine Dokumentationen der sozialen Wirklichkeit sind derzeit in einer Reihe von Ausstellungen zu sehen. Mit engagierten Fotos kann die Diskussion über „Frieden, Menschenwürde und Gerechtigkeit“ angeregt werden, ist sich eine langjährige Arbeiterfotografin sicher.

Den Anstoß für eine tiefere medienpolitische Debatte in ver.di und durch ver.di in der Gesellschaft gab der Fachbereich Medien, Kunst und Industrie mit einem umfangreichen Antrag auf dem ver.di-Bundeskongress in Leipzig. Die Delegierten stimmten damit zugleich der Forderung zu, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch künftig zu sichern und weiterzuentwickeln.
Rückendeckung gab es dazu bereits im Vorfeld des Kongresses durch das jüngste Rundfunkurteil des Bundesverfassungsgerichts. Die Karlsruher Richter sprachen klare Worte. Sie stärkten die Rundfunkfreiheit und wiesen jene Politiker in die Schranken, die da meinten das Grundgesetz nicht ganz so ernst nehmen zu müssen und mal eben unbegründet über die Gebührenschraube in die Programmhoheit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eingreifen zu können. Dennoch: Einen Freibrief stellte das hohe Gericht für niemanden aus. Der Gesetzgeber ist aufgefordert den Rundfunkauftrag konkreter zu definieren und die Öffentlich-rechtlichen haben einiges zu tun, diesen zu erfüllen, und zwar unabhängig von der Quote.
Die „Rundfunkpolitik für die Zukunft“ steht am 23. November auch im Fokus einer ver.di-Fachtagung in Berlin. Sie bietet die Möglichkeit, sich an der Diskussion über die aktuellen Fragen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im multimedialen Zeitalter zu beteiligen.
Beim 21. Journalistentag am Tag darauf erfolgt ein nahtloser Übergang in der Debatte um einen hochwertigen Journalismus, um Qualitätsmedien in Deutschland. Betrachtet wird der „Journalismus – Beruf im Spannungsfeld zwischen Produktivität und Qualität“. Gemeinsam mit hochkarätigen Referenten richtet sich der Blick in „neue Redaktionswelten“, die geprägt sind durch Newsdesk, Newsrooms, Newspools; die Arbeit von Festen und Freien in einer „Content-Industrie“.
Tragen Arbeitsbedingungen, betriebliche Strukturen und tariflicher Rahmen diesen neuen Marktrends bereits Rechnung? Auch diese Frage wird am 24. November berührt. Indes haben freie Journalisten und Redakteure aus der dju-Tarifkommission über Perspektiven und Strategien einer künftigen Tarifpolitik in Berlin beraten. Ein Problem: Verleger-Tarifflucht von Mannheim über Frankfurt am Main bis in den Norden ist ein sich offenbar verbreitender Virus.

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