Editorial: Kompetent und solidarisch

Ein ereignisreicher März ist schon fast vorbei, wenn diese M ihre Empfängerinnen und Empfänger erreicht. Vorbei ist dann der Internationale Frauentag, aus dessen Anlass ein nachträglicher Glückwunsch angebracht ist. Die hervorragende Arbeit der Frauen in Beruf und Familie kann nicht genug gewürdigt werden. Die M-Redaktion wünscht allen Frauen dafür auch weiterhin Kraft und Erfolg.


Bundespolitiker üben sich derweil im Kleinreden. Die derzeitige Kinder­krippen-Debatte wirkt aufgrund der Scheuklappen-Mentalität ihrer Pro­tagonisten mitunter eher ­lächerlich. Eine ganzheitliche Betreuung von Kindern, eine durchdachte und umfassende Familienförderung, Jugend- und Bildungspolitik, die in einem modernen Staat die Gleichberechtigung der Frauen in Alltag und Beruf einschließt – davon scheint Deutschland weit entfernt. Folgerichtig stellte ver.di die Forderung nach einem gesetzlichen branchenübergreifenden Mindestlohn auch in den Mittelpunkt ihrer Aktionen zum Frauentag. Und ab 1. April wird die zweite Intendantin im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Monika Piel, dem WDR vor­stehen. Jedoch nicht als Frau wurde sie gewählt, sondern wegen ihrer Kompetenz, sagt sie. Aber sie weiß auch um „das positive Signal“ für Frauen, wenn sie diese Position einnimmt.
Zu Steigbügelhaltern einer desorientierten Politik werden leider viele Medien, wenn sie gegen Gleichstellung Stimmung machen. Auch wenn die Übernahme des Anglizismus „Gender Mainstreaming“ mindestens unbeholfen erscheint, so darf die Geschlechterfrage nicht pauschal diskreditiert und deren Lösung verdrängt werden.
„Gegendert“ liefen dann auch die Bundeskonferenzen der Fachgruppe Journalismus (dju) und der Fachgruppe Rundfunk Film und Audiovisuelle Medien Anfang März im Berliner ver.di-Haus ab. Als Antwort auf die zunehmenden Auseinandersetzungen in der Medienwirtschaft, denen es mit gebündelten Kräften zu begegnen gilt, gründeten die Delegierten eine neue gemeinsame Fachgruppe Medien (Titelthema). Der Vorsitz ist paritätisch besetzt mit Werner Ach vom ZDF und der freien Journalistin aus dem Saarland Renée Möhler. Leiharbeit, Dumpinglöhne, Qualitätsjournalismus und eine neu ausgerichtete offensive Tarifpolitik sind nur wenige Stichpunkte, die auf der ersten Bundeskonferenz in Form von Anträgen diskutiert wurden und die Aufgaben der neuen Fachgruppe skizzieren. Und weil das Herz der Medienpolitik von ver.di in dieser neuen Formation schlagen soll, wird es dafür einen Arbeitskreis Medienpolitik geben. „Vernetzt, kompetent, flexibel, solidarisch und autonom“ will die bunte Mischung aus Printmedien, Rundfunk, Film und Kino agieren und damit die Zukunft der Medienbranche konstruktiv mitgestalten.

nach oben

weiterlesen

Auch intern unbequem

„Panorama“ ist nicht das erste, aber das älteste Politikmagazin im deutschen Fernsehen. Und es hatte eine schwere Geburt. Was da am 4. Juni 1961 auf dem Bildschirm in Schwarz-Weiß Premiere feierte, war ein ziemlich unverdaulicher Kessel Buntes aus aktueller Politik, Auslandsreportage und Unterhaltung. Doch schon bald hatte „Panorama“ seine erste Sternstunde.
mehr »

Zwischen Utopie und Realität

Vor 75 Jahren, am 17. Mai 1946, schickte der Münchner Kabarettist Werner Finck ein launiges Telegramm nach Babelsberg: „Ein ferner Wink von Werner Finck, damit das Ding Euch wohl geling.“ Gemeint war die Deutsche Film-A.G., kurz DEFA genannt, die erste deutsche Filmfirma nach dem Zweiten Weltkrieg, die an jenem Tag eine Lizenz zur „Herstellung von Filmen aller Art“ erhielt. Neben deutschen, darunter auch einigen aus dem Exil zurückgekehrten Filmschaffenden waren Kulturoffiziere der Sowjetischen Besatzungszone maßgeblich an der Gründung beteiligt. Und doch verstand sich die DEFA zunächst als gesamtdeutsches Unternehmen. Viele der frühen, hochfliegenden Träume endeten…
mehr »

Polizeigewalt in Kolumbien

Kolumbiens Polizeieinheiten zur Aufstandsbekämpfung (ESMAD) werden für Dutzende von Toten und Schwerverletzten seit dem Beginn der sozialen Proteste im Frühjahr verantwortlich gemacht. Dabei wurden auch Journalisten gezielt bei ihrer Arbeit angegriffen, kritisiert die Stiftung für Pressefreiheit (FLIP). Videos, Fotos und Zeugenaussagen aus Städten wie Sibaté, Cali und Popayán belegen das. Doch die Regierung in Bogotá geht auch verbal gegen kritische Berichte vor allem in den sozialen Medien vor: von Cyber-Terrorismus ist die Rede. Für Jonathan Bock, FLIP-Direktor, ein Angriff auf die freie Meinungsäußerung.
mehr »

Trauer um Karl Königbauer

Bei einem tragischen Unfall während einer Bergwanderung am Heuberg bei Brannenburg ist vor wenigen Tagen Karl Königbauer (65) ums Leben gekommen. Der erfahrende Bergsteiger, der auch schon einige Sechstausender bezwungen hat, ist offensichtlich abgestürzt und zog sich dabei tödliche Verletzungen zu.
mehr »