Formate

Wille zur Aufklärung

Beim Leipziger MDR herrscht Aufbruchstimmung. Dass der Rundfunkrat bei der Intendantenwahl zunächst Bernd Hilder durchfallen ließ, hat das Selbstbewusstsein der Mitarbeiter enorm gesteigert. Wo sich angesichts des von der Politik vorgegebenen Kandidaten schon Resignation breit gemacht hatte, weil offenbar alles so weitergehen würde wie bisher, ist ein regelrechter Ruck durch den Sender gegangen. „Diese Personalie wäre auch dem eigenen Lebenslauf nicht zumutbar gewesen“, heißt es aus dem Umfeld des Gremiums, das dem Favoriten der sächsischen Staatskanzlei die Mehrheit der Stimmen versagte. Umso besser kann man offenbar mit Karola Wille leben, die zur neuen Intendantin gekürt…
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Punktsieg für taz

Die taz hat sich um Informationsfreiheit und Pressevielfalt verdient gemacht: Weil sie den höchsten Bremer Juristen die rote Karte gezeigt hat, wird die taz Bremen bei der Justiz-Pressearbeit künftig nicht mehr gegenüber dem Platzhirsch Weser-Kurier (WK) benachteiligt.
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Editorial: Themenhoheit und kritische Distanz

Unter Einfluss! ist das Motto des 25. Journalistentages, den die dju und die Fachgruppe Medien in diesem Jahr am 26. November veranstaltet. Wie gelangen Themen in die Medien? Wer bestimmt den Inhalt von Zeitschriften und Rundfunkprogrammen: unabhängige Redakteure oder Journalistinnen? Ja, möchte man euphorisch ausrufen – und weiß es doch besser. Vielfältig sind die Einflüsse, verdeckt und offen, unbewusst und bewusst. Im Lokalen sind Journalisten nah am Geschehen, sehr nah an den Protagonisten in Politik und Gesellschaft. Mitunter kennt man sich persönlich, lange Zeit. Das erschwert kritische Distanz. Die Kommunalpolitik versucht, ihre Sicht der Dinge zu propagieren. Anzeigenkunden…
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Editorial: Engagiert und konstruktiv

„Tanz die Matrix“ wäre auch ein gutes Motto für den 3. ver.di-Bundeskongress gewesen. Die Atmosphäre in Leipzig spiegelte in zehn Jahren gewachsenes Gemeinschaftsgefühl der Mitglieder aus den verschiedenen Branchen in der Gewerkschaft wider. Die Debatten wurden engagiert und konstruktiv geführt und Spaß gab es dann auch bei den Partys und Treffen an den Abenden, so die Impressionen der M-Berichterstatterin. Unter dem Motto „Vereint für Gerechtigkeit“ hatten die mehr als 900 Delegierten 1.300 Anträge auf dem Tisch. Ein Pensum, das in den sieben Tagen nicht zu schaffen war. Ein großes Arbeitspaket ging daher an den Gewerkschaftsrat. Themen wie Mindestlohn, Leiharbeit,…
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Migration, Vielfalt und öffentlich-rechtlicher Rundfunk

2007 wurde Mehmet Kurtulus Kommissar im Tatort und Dunja Hayali Moderatorin beim Heute Journal. Im Programm von ARD und ZDF scheint sich die bundesdeutsche Einwanderungsgesellschaft widerzuspiegeln. Doch dieser Eindruck täuscht: die Öffentlich-Rechtlichen erfüllen ihren Integrations-Auftrag nicht, denn die vermeintliche Gleichberechtigung von Migranten und Migrantinnen ist keine auf Augenhöhe, sondern eine paternalistische Gefälligkeitsgeste. Zu diesem Ergebnis kommt die Politologin Marie Mualem Sultan in ihrer jüngst veröffentlichten Forschungsarbeit „Migration, Vielfalt und öffentlich-rechtlicher Rundfunk“.
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Comics von und gegen rechts

„Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Comics“. Zu diesem Thema ist ein Sammelband erschienen, der unter anderem die gleichnamige Tagung aus dem Jahre 2010 in Bad Boll dokumentiert (M 3/2009).
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Mut und Macht

Die Kulisse im ARD-Hauptstadtstudio war beeindruckend: ausschließlich Frauen saßen auf dem Podium, zirka 80 Frauen und ein Mann im hellen, lichtdurchfluteten Atrium. Sie alle waren der Einladung des Journalistinnnenbundes gefolgt, der am ersten Septemberwochenende seine Jahrestagung in Berlin abhielt. „Mut und Macht in den Medien. Journalistinnen auf dem Weg nach oben.“ war die Tagung überschrieben und auch darum sollte es in der öffentlichen Podiumsdiskussion, moderiert von Andrea Dernbach, Redakteurin beim Tagesspiegel, gehen.
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TOLL

TOLL ist das erste gedruckte Magazin der Hamburger Schreibwerkstatt „Tolle Worte“. Seit fünf Jahren gibt es die Schreibwerkstatt, gemacht von Menschen mit Behinderungen. Bisher kann man die verblüffenden Texte in einem Blog im Internet lesen, jetzt ist das erste Magazin erschienen und verspricht pures Lesevergnügen und ästhetischen Genuss. Es kann über die Website bestellt werden. Zu bezahlen sind nur die Versandkosten.
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Klare Zeichen gesetzt

Soviel vorweg: Es war ein guter Kongress. Nicht etwa, weil in dieser Woche in Leipzig, in der 901 Delegierte über rund 1.300 Anträge abzustimmen hatten, die Welt verändert worden sei. Nein, es waren die kleinen Zeichen, die die Atmosphäre positiv prägten. „Wir sind zusammengewachsen“, sagten viele nach überstandener Kongress-Tortur.
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Torpedozahlen

Vor kurzem lief als rundfunkhistorische Reminiszenz eine alte Ausgabe des Polit-Magazins „Panorama“, noch unter der Leitung von Gert von Paczensky. Eines der Themen: Bild attackiert die Gebühren für die öffentlich-rechtlichen Sender. Das war Mitte der 60er Jahre des vorherigen Jahrhunderts. Seither veranstaltet der Springer-Verlag mit gewisser Regelmäßigkeit dieses Ritual und gibt sich nicht einmal viel Mühe, die Wortwahl zu ändern.
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Radikale Kürzung

Am 23. September hat der Bundestag die radikale Kürzung des Gründungszuschusses beschlossen. Die Streichung von weit über eine Milliarde Euro jährlich allein bei dieser Maßnahme der Arbeitsförderung ist nun gesetzlich umgesetzt und wird zum 1. November in Kraft treten. Nachdem bereits der Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales am 21. September der „Reform“ der Förderinstrumente zugestimmt hatte, war das Ergebnis vorhersehbar: Das entsprechende Gesetz zur Verbesserung der Eingliederungschancen am Arbeitsmarkt wurde mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen angenommen. Alle Oppositionsparteien stimmten geschlossen dagegen. Das heißt: Es werden künftig deutlich weniger…
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Dubiose Aufarbeitung

Wenn jene, die etwas verbrochen haben, mit der Aufarbeitung ihres eigenen Verbrechens beauftragt werden, dann kommt nur selten etwas dabei heraus. Das zeigt sich auch jetzt wieder in Folge des Murdoch-Skandals, der Großbritannien über den Sommer erschütterte. Zur Erinnerung: Die Enthüllungen über tausende im Auftrag der News of the World abgehörte Telefone brachten die enge Verzahnung zwischen dem Murdoch-Monopol, dem Londoner Scotland Yard und der Führung der konservativen Partei zu Tage.
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Labournet.tv

Labournet.tv (http://de.labournet.tv/) ging im Januar 2011 online und wird seitdem zügig ausgebaut. Das Projekt ist Teil der Internetplattform Labournet, die sich seit 1999 als „Treffpunkt für Ungehorsame mit und ohne Job“ für die Stärkung gewerkschaftlicher und sozialer Gegenmacht einsetzt. Bei Labournet.tv werden Videos und Filme zu den auf Labournet dokumentierten Berichten über soziale Kämpfe in aller Welt ins Netz gestellt.
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Sag mir, wo die Lesben sind

Lesbische Frauen sind in der Presse überwiegend nicht sichtbar, der schwule Mann steht quasi als „Prototyp“ der Homosexualität. Es gibt kein mediales Bewusstsein für die Vielfalt lesbischen Lebens. Zu diesem Fazit kommt eine kurz vor dem Christopher Street Day (CSD) in Berlin, wenig später beim Netzwerk Recherche in Hamburg vorgestellte und im Auftrag der Münchener Lesbenberatungsstelle LeTRa erarbeitete Studie der Journalistin und Kommunikationswissenschaftlerin Elke Amberg.
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Jauch auch

Stell dir vor, es ist Talkshow und keiner schaut hin. Getalkt wurde doch gestern schon und vorgestern und auch morgen und übermorgen. Nein, übermorgen nicht. Am Freitag, da lachen wir Couch-Potatoes nur über Comedy oder können uns nicht mehr erinnern, ob wir den „Tatort“ schon gesehen haben. Samstag auch nicht, da singen wir Volkslieder. Aber Sonntag, das ist neu. Sonntag talkt jetzt Günther Jauch. Auch. Aber vielleicht ist das gar nicht lustig und man muss es so sehen: die ARD delegiert ihren Auftrag zur politischen Meinungsbildung an die TV-Plaudertaschen. So bis Do blüht jetzt eine Talkshow-Monokultur. Die ARD hält das für politisches Fernsehen. Ein Koordinator soll die…
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Tote Handys

Die Detailvorschriften in Gesetzen werden von Juristen und Technokraten gemacht, nicht von Politikern. Vermutlich deshalb ist den meisten Bundestagsabgeordneten nicht bewusst, was sie im vergangenen Jahr mit einem weitgehend unbeachteten neuen Gesetz beschlossen haben: Wenn es zu einer wirklich schwer wiegenden Krise oder Katastrophe kommt, werden die meisten Journalisten einfach vom Mobilfunknetz abgekoppelt. An die Medien wurde bei der Neufassung des „Post- und Telekommunikations-Sicherstellungsgesetzes“ entweder gar nicht gedacht – oder sie sollen bewusst stillgelegt werden.
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