Tilmann P. Gangloff

Filmtipp: Gelbe Briefe

Der neue Film des vielfach ausgezeichneten Regisseurs İlker Çatak spielt zwar in der Türkei, wirft aber auch einen Blick in unsere mögliche Zukunft: Der Berlinale-Preisträger „Gelbe Briefe“ ist in Berlin und Hamburg entstanden. Er betont damit die Universalität des Themas – Proteste gegen ein demokratiefeindliches Regime und die Beschränkung der künstlerischen Freiheit. Die darstellerischen Leistungen des türkischen und türkischstämmigen Ensembles sind herausragend.
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Filmtipp: Sie glauben an Engel, Herr Drowak? 

Schwarzweißbilder, höchst originell gestaltet und herausragend gut gespielt mit Luna Wedler und Karl Markovics - "Sie glauben an Engel, Herr Drowak?" erzählt die Tragödie eines verpfuschten Lebens. Im Debütfilm von Nicolas Steiner offenbart ein nihilistischer Trinker im Rahmen eines Sozialprogramms dank der Beharrlichkeit einer Germanistik-Studentin ein enormes literarisches Talent. Doch dann wird der Mann von den Dämonen seiner Vergangenheit eingeholt.
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Filmtipp: Extrawurst

Die unter anderem mit Top-Stars wie Hape Kerkeling, Fahri Yardim und Christoph Maria Herbst besetzte Verfilmung des erfolgreichen Theaterstücks „Extrawurst“ (Degeto / Lieblingsfilm) ist eine famos gespielte Satire über eine Debatte, die zum Kulturkampf eskaliert. Dabei geht es in der Jahreshauptversammlung eines Tennisclubs eigentlich nur um die Frage, ob für das einzige muslimische Vereinsmitglied ein eigener Grill angeschafft werden soll.
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Filmtipp: Bis es blutet

„Bis es blutet“ ist ein bedrückendes Drama mit Elisa Schlott als ehrgeizige junge Boulevard-Journalistin, die für ein reißerisches Online-Medium über das Verschwinden eines Teenagers berichten soll. Wegen ihrer skrupellosen Arbeit gerät der afrikanische Freund des Mädchens an den Pranger der Öffentlichkeit. Debütregisseur Daniel Sager hat zuletzt mit dem sehenswerten Dokumentarfilm „Erfundene Wahrheit“ die erstaunliche Geschichte des „Spiegel“-Hochstaplers Claas Relotius rekonstruiert.
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Filmtipp:  Nürnberg ’45 

Hauptfigur des bewegenden Dokudramas über die Nürnberger Prozesse ist der junge jüdische Auschwitz-Überlebende Ernst Michel, der nun als Journalist über die Verhandlungen berichtet. Den dokumentarischen Teil prägen Michel selbst (gesprochen von Heino Ferch), seine Tochter (Annette Frier) und der Sohn (Herbert Knaup) einer polnischen Überlebenden. In den Spielszenen wirken außerdem Francis Fulton Smith als Hermann Göring und Wotan Wilke Möhring als dessen Anwalt mit.
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Filmtipp: Kein Land für Niemand

Der deutsche Dokumentarfilm beleuchtet die drastischen Folgen der europäischen Abschottungspolitik und die besondere Rolle Deutschlands bei diesem Paradigmenwechsel. Der Film begleitet eine Rettungsmission im Mittelmeer, zeigt die katastrophalen Zustände in Lagern für Geflüchtete und gibt Menschen eine Stimme, die den lebensgefährlichen Weg nach Europa überlebt haben.
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Foto: pixabay

Buchtipp: Sendestörung

75 Jahre ARD: Wenn das kein Grund zum Feiern ist. Schon der Titel seines Buches, „Sendestörung“, verdeutlicht jedoch, dass dem Historiker Karsten Rudolph keine Festschrift vorschwebte. Auf knapp 200 Seiten beschreibt er „Aufstieg und Krise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“, wie der Untertitel lautet.
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Filmtipp: Solidarity

Vordergründig ist „Solidarity“ ist eine Verbeugung vor all’ jenen, die sich beruflich oder ehrenamtlich um Geflüchtete kümmern. Mindestens genauso wichtig waren dem Schweizer Dokumentarfilmer David Bernet jedoch grundsätzliche Aspekte des Themas, die schließlich in eine entscheidende Frage münden: Wie viele Menschen kannst du umarmen?
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Kinder am Tablet

Keine Lobby für Kinderfilme

Wer hierzulande Fiction und Animation für Kinder herstellt, muss einen langen Atem haben. Die Produktionsbranche hat ohnehin das Gefühl, dass ihr Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Leistung des Landes nicht genügend gewürdigt wird, aber Produktionen für die jüngste Zielgruppe werden auch bei der Förderung nicht angemessen unterstützt.
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Filmtipp: We All Bleed Red

Der Dokumentarfilm "We All Bleed Red" begleitet den vielfach ausgezeichneten deutschen Fotografen Martin Schoeller, der nicht nur Stars und Präsidenten, sondern auch die Kehrseite des amerikanischen Traums ablichtet. Der in Frankfurt am Main aufgewachsene und mit rund dreißig internationalen Auszeichnungen gewürdigte Fotograf hat sein Handwerk einst als Assistent von Annie Leibowitz gelernt
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Filmtipp: Mädchen können kein Fußball spielen

Der sehenswerte Dokumentarfilm von Grimme-Preisträger Torsten Körner („Schwarze Adler“) ist eine Hommage an die Pionierinnen des deutschen Frauenfußballs. Körner hat bereits ein ausgezeichnetes Buch über das Thema geschrieben („Wir waren Heldinnen“). Der Film erzählt die Geschichte mit Hilfe von Zeitzeuginnen und vielen zeitgenössischen TV- und Wochenschau-Ausschnitten von den Anfängen in den 50ern bis zur siegreichen Heim-EM 1989.
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Filmtipp: Die Barbaren

Das Thema von „Die Barbaren“ ist eigentlich gar nicht lustig, aber das sind erfahrungsgemäß die besten Komödien: Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine will ein bretonisches Dorf eine geflüchtete Familie aufnehmen. Stattdessen kommen jedoch Flüchtlinge aus Syrien - prompt ist es angesichts der „Araber" mit der Gastfreundschaft vorbei.
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Filmtipp: Blindgänger

In dem sehenswerten Ensemble-Drama „Blindgänger“ ändert sich das Leben einiger Menschen abrupt, als in ihrem Hamburger Viertel eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt wird. Der Fund führt nicht nur zu einer weitreichenden Evakuierung, sondern auch zu einem zwischenmenschlichen Ausnahmezustand: Einige wachsen im Angesicht der Bedrohung über sich hinaus, andere werden ganz klein.
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Filmtipp: Lost and Found

Nach seinem Tod im New Yorker Exil (1990) ist die Arbeit des politischen Fotografen Ernest Cole, der die Welt 1967 mit seinem vielgerühmten Fotobuch „House of Bondage“ über die rassistische Realität in seiner südafrikanischen Heimat informiert hat, in Vergessenheit geraten; sein künstlerischer Nachlass galt als verschollen. Der sensationelle Fund von 60.000 Negativen in einem schwedischen Banksafe hat ihm vor einigen Jahren ein posthumes Comeback beschert.
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Kinder verdienen vernünftige Antworten

Wie spricht man mit dem Nachwuchs über Krieg, Gewalt, Tod und Zerstörung? „heute"-Moderatorin Sara Bildau, selbst zweifache Mutter, hat darüber einen äußerst nützlichen Ratgeber für Eltern geschrieben. Das Buch besteht größtenteils aus Interviews mit Sachverständigen, darunter viele Psychologinnen. Kernthema von „Mama, kommt der Krieg auch zu uns?" ist die Frage, „wie wir Kindern Nachrichten erklären, die wir oft selbst nicht begreifen". Die Erlebnisse der Journalistin mit ihren heute sechs und elf Jahre alten Töchtern sorgen für sehr persönliche Einblicke.
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Filmtipp: Nonkonform

Ein Leben als Abenteuer: Der auch mit zwei Stunden nicht zu lange Dokumentarfilm „Nonkonform" ist eine tiefe Verbeugung vor der „übersehenen Persönlichkeit" des Staatsanwalts, Schauspielers und Filmkritikers Dietrich Kuhlbrodt. Quasi nebenbei liefert der Film eine konsequente Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und musikalisch mit Helge Schneiders' Jazz die passende Untermalung.
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