Ralf Hutter

Realistischer als jede Comic-Zeichnung

Zwei Neuerscheinungen im Comic-Format liefern aktuelle Bild-Text-Reportagen und beleben so den Fotoroman neu. Vor allem der Bericht von mehreren Reisen an die EU-Außengrenze beeindruckt mit authentischem Bildmaterial und gewonnenen Erkenntnissen. Der Band überzeugt zusätzlich durch die enge Verknüpfung von Bild und Text.
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Neue Hetzbücher auf der Buchmesse

Rechtsradikale bis faschistische Verlage zieht es verstärkt auf die Frankfurter Buchmesse, die am 11. Oktober beginnt. Die Initiative „Buchmesse gegen rechts“ fordert Ausschlüsse. In dem Offenen Brief werden für den deutschsprachigen Messeteil exemplarisch der Ares-Verlag, Verlag Antaios, Cato, Junge Freiheit, Förderstiftung Konservative Forschung und Bildung, Karolinger-Verlag und Manuscriptum genannt. Die Messe setzt auf den Stand der Amadeu-Antonio-Stiftung als Gegengewicht zu den rechtsgerichteten Verlagen.
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Medienversagen zu Gunsten eines Nazis

„Vermieden werden soll, durch schädliche Interviewteile ein abträgliches Bild von Herrn Speer zu vermitteln.“ Diese vertragliche Zusicherung erhielt Albert Speer, einer der größten Verbrecher des Nationalsozialismus, vor einem Fernsehinterview im NDR. Das ist aber nur ein extremes Beispiel für den unkritischen Umgang der meisten deutschen Medien mit Speer ab 1966. Eine Nürnberger Ausstellung bietet erschreckende Einblicke.
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G20: Festival der verletzten Grundrechte

Das von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz versprochene „Festival der Demokratie“ beim G20-Gipfel macht Angst vor der Demokratie. Die zum Teil schon im Vorfeld eingeleiteten übertriebenen Grundrechtseinschränkungen für die Allgemeinheit setzten sich in einem eskalativen, oft gewalttätigen Verhalten gegenüber den Medien seitens der Polizei fort. Das Bundespresseamt fällt durch den Ausschluss von Presseleuten vom Gipfel als Wiederholungstäter auf.
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FCMC Hamburg: Indymedia reloaded

Das Medienzentrum FCMC ist dafür da, dass am Rande des Hamburger G20-Gipfels „so viele Stimmen wie möglich gehört werden“, wie eine Sprecherin am Dienstagabend bei der Eröffnung sagte. Gleichzeitig ergeht eine Kampfansage an die Polizei – sie soll nicht die Deutungshoheit über die Proteste haben. Die hier gebotene hochwertige Infrastruktur wird aber wohl auf den Straßen immer wieder von unnötigen Einschränkungen der Pressefreiheit konterkariert werden.
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G20: Alternatives Medienzentrum

„FC/MC“ – unter diesem Kürzel wird am 4. Juli in Hamburg ein neuartiges Medienzentrum eröffnet, um die Proteste gegen den dortigen G20-Gipfel zu begleiten. Das Konzept richtet sich nicht nur an Protestierende, die sich ihre eigenen Kanäle schaffen wollen. Alle Medien dürfen die Infrastruktur im Stadion des FC St. Pauli nutzen.
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Mutiger Journalismus in Fukushima

Der Journalist Tomohiko Suzuki schleuste sich schon drei Monate nach dem Super-GAU von Fukushima 2011 in die Aufräumarbeiten in der Kraftwerksruine ein. Er wurde zu einem der Tausenden Arbeiter, die ihre Gesundheit extrem gefährdeten. Sein aufrüttelndes Buch darüber und über die Rolle der Yakuza dabei, der in Japan allgegenwärtigen mafiösen Strukturen, liegt nun auch auf Deutsch vor. Der Autor hat es dieser Tage auf einer Lesereise vorgestellt.
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Buchtipp: Comicreportage über freien Journalismus

Was ist Journalismus? Dieser Frage widmet sich die Comicautorin Sarah Glidden in ihrem neuen Werk. Die Zeichnerin aus Seattle hatte 2010 ein Team einer kleinen Zeitung in die Türkei, in den Irak und nach Syrien begleitet, um dessen Recherche-Arbeit zu dokumentieren. Doch als Comic funktioniert das Buch schlecht, in Sachen Journalismus ist es nur für Ahnungslose interessant und in politischer Hinsicht offenbart es wenig Neues.
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Buchtipp: Panorama der Karikatur

„Aufklärerische Überzeichnung“ gegen „religiöse Überzeugung“, Vernunft gegen Glaube, Kunst gegen Kirche – kurz: herrschaftskritisches Wahrheitsstreben. Mit diesen hehren Worten lobt der Verlag sowohl auf dem Schutzkarton als auch auf einem extra beigelegten Zettel im Namen des Herausgebers die historische Entwicklung der Karikatur, wie sie Andreas Platthaus in seinem aktuellen Buch „Das geht ins Auge. Geschichten der Karikatur“ darlegt.
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Charlie Hebdo – eine Außenseiterin mit spezifischem Humor

Am 7. Januar jährt sich zum zweiten Mal der Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris. Seit Dezember dieses Jahres erscheint „Charlie Hebdo“ auch auf Deutsch. Jeden Donnerstag sollen laut Medienberichten 200 000 Exemplare der in Paris gemachten Satirezeitung ausliegen, zum stolzen Preis von 4 Euro. Die Mehrzahl der Zeichnungen und Texte wird von der französischen Ausgabe übernommen. Das skandalumtoste Blatt macht den Schritt über den Rhein, weil sich seine Ausgabe nach dem Attentat hier 70 000 Mal verkauft hat. Seine finanzielle Prekarität ist Geschichte. In der Branche ist die Zeitschrift aber weiterhin eine Außenseiterin.
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Buchtipp: Wirtschaftsjournalismus als unkritisches Anhängsel

Der „Club of Rome“ stellte erneut eine Studie vor, die auf die verheerenden Folgen unseres gegenwärtigen Wirtschaftssystems hinweist. Der erste dieser Berichte sorgte 1972 für Aufsehen und prägte mit seinem Titel einen bis heute zentralen Begriff: „Die Grenzen des Wachstums“. Die gesellschaftspolitischen Forderungen des neuen Werks sind unkonventionell und haben dementsprechende Kritik provoziert. Aber damals wie heute lautet die zentrale Aussage: Hört auf mit eurem Wirtschaftswachstumswahn! Ähnliches ruft auch Ferdinand Knauß nun in seinem kürzlich erschienenen Buch „Wachstum über Alles? Wie der Journalismus zum Sprachrohr der Ökonomen wurde“ seiner Zunft zu.
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In Unkenntnis der eigenen Sprache

Internet, Talkshow, Teaser, Service – es gibt eine Menge akzeptabler Anglizismen. Die Zahl der inakzeptablen ist aber weit größer und wird gerade auch durch den Journalismus ständig erhöht, fehlerhaften Gebrauch inbegriffen. Fremdwörter haben ihren Wert, wenn sie etwas bezeichnen, für das es noch keinen Begriff gibt. Wenn die weltweite Vernetzung von Computern historisch zuerst Internet genannt wird, und wenn eine grassierende Krankheit ein englisches Kürzel wie AIDS bekommt, dann ist es nicht nötig, Begriffe wie „Weltnetz“ herbeizuzwingen. Doch derzeit wird unser Alltag mit Anglizismen überschwemmt, die normale Wörter ersetzen, die weder sperrig noch unbekannt sind.
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Schon entdeckt? Oxi und oxiblog.de

„Ein ‘Nein’ fehlt meist in der Berichterstattung zu ökonomischen Themen.” Diese Beobachtung hält der Publizist Wolfgang Storz, ehe­maliger Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, im Editorial seiner neuesten Zeitung fest. Die heißt Oxi, griechisch für „Nein”, und ist seit dem 10. Mai an Kiosken zu haben. Im Juli 2015 hatte Griechenland bei der Volksbefragung zu den auf­gezwungenen Sparmaßnahmen mehrheitlich „oxi” (sprich: „ochi”) gesagt. In diesem Geist soll nun eine neue Zeitung gemacht werden. Dazu gibt es das Oxiblog, mit täglich einem neuen Artikel.
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Hintergründe zu Flucht und Einwanderung

Der Mediendienst Integration liefert wichtige Zahlen und andere Informationen zu Flucht, Migrationsrouten, Einwanderung nach Deutschland und multikulturellem Zusammenleben. Das Material der vor allem von der Bundesregierung und von Stiftungen finanzierten Informationsstelle wird dieses Jahr verstärkt nachgefragt.
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Geldquelle Internet

Auch außerhalb der Branche ist es zum Allgemeinplatz geworden, dass „das Internet“ dem Journalismus das Wasser abgräbt. Doch das ist bei weitem nicht die ganze Wahrheit. So wie etwa neu gegründete Unternehmen sich ihr Startkapital besorgen, Bands und Spiele-Entwickler ihre neuesten Werke finanzieren, so werden mittlerweile auch journalistische Recherchen ermöglicht: per Crowdfunding.
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Zukunft liegt in der Kombination von Bewegtbild und Text

„Alles online? Zur Digitalisierung von Politik und Publizistik" ist der Titel der diesjährigen Vortragsreihe des Ehemaligen-Vereins des Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft, des OSI-Clubs an der Freien Universität Berlin. Am 27. April referierte Stefan Aust zu den „Chancen und Risiken für den Qualitätsjournalismus im digitalen Zeitalter“.
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