Editorial: Wissen als Ansporn zur Gestaltung

Zweifelhafte Botschafter ziehen durchs Land und verkünden „Lösungen“ für die Fragen, auf die sonst keiner eine Antwort weiß. Die Prominenten tauchen auf in Talkshows, in Leitartikeln überregionaler Zeitungen, in Podiumsdiskussionen.

Initiativreich haben sie die Neue soziale Marktwirtschaft kreiert. Journalisten gehen ihnen auf den Leim und übernehmen die von Designern entwickelten Stoffe, Meinungen, Nachrichten aus Politik und Wirtschaft. „Dass dabei die Grenzen zwischen Journalismus und Werbung verschwinden, stört niemanden“, schreibt Prof. Rudolf Speth in der Titelgeschichte um PR und Journalismus – Thema des 18. Journalistentages der dju am 27. November in Berlin. Der ökonomische Querdenker Heiner Flassbeck sieht eine der Ursachen dafür, dass all dies so gut funktioniert, in der eindimensionalen Ausbildung von Journalisten. Gegenöffentlichkeit gibt es dennoch, dokumentiert in Büchern wie „Die Reformlüge“ .Ideen, wie dem wirtschaftsliberalen Zeitgeist Paroli geboten werden kann ,hat Christiane Zerfaß vom DGB. Auch in diesem Jahr gab es wieder einen heißen Medienherbst mit großen Meetings in München und Mainz, sowie unzähligen interessanten Veranstaltungen in Stuttgart, Frankfurt, Berlin … «M» kann nur kleine Einblicke geben in den Diskurs über die Perspektiven des Feuilletons oder über Medienkompetenz und Menschenwürde vor allem mit Blick auf Film und Fernsehen .In München stellten sich 650 junge Medienmacher gemeinsam mit alten Hasen der Branche der Problematik: „Ist Wissen Macht?“. Diese bereits von Wilhelm Liebknecht (1826 – 1900) aufgeworfene Frage scheint an Aktualität nichts eingebüßt zu haben. So trafen Details der Verlegerpläne für die Zerlegung des Mittelrhein Verlages den Betriebsrat eher unvorbereitet. Die Digitalisierung im Fernsehen führt zu Arbeitsverdichtung. Das Wissen darum sollte für Gewerkschaften und betriebliche Interessenvertretungen Ansporn sein, mitzugestalten, sich konstruktiv einzumischen. Nicht zuletzt können die Informationen über die Tarifkämpfe der Kollegen in der Schweiz die Sinne schärfen für das Jahr 2005 in Deutschland. Es wird wahrscheinlich beginnen ohne Tarifabschluss für Redakteure an Zeitschriften und für die Beschäftigten der CinemaxX-Kinokette .Und es wird das Jahr der harten Auseinandersetzung in der Druckindustrie, in der alle Tarifverträge von Arbeitgeberseite gekündigt wurden. Hier sind die Medienmacher nicht nur als engagierte wissende Berichterstatter gefordert! «M» wünscht allen Leserinnen und Lesern eine gewinnbringende und kritische Lektüre dieser letzten Ausgabe 2004, besinnliche Weihnachtstage und einen guten Start 2005.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Schrittmacher für den Lokaljournalismus

Im Lokalen schlägt das Herz des Journalismus, hier ist er für die Menschen besonders gut erlebbar.“ So Netzwerk Recherche, das Lokaljournalist*innen mit einem Fellowship Lokale Recherche und einem Support Desk unterstützt, da sie unter wachsendem Druck Demokratie und mediale Glaubwürdigkeit verteidigen müssen.
mehr »

Lokaljournalismus: Die Welt vor der Haustür

"Echte Reporter*innen sitzen nicht in der Bundespressekonferenz, sondern schießen um 11 Uhr Fotos beim Grillfest der Freiwilligen Feuerwehr, schauen sich nachmittags das Kindertheater in der Turnhalle an und schreiben am Abend bei der Hauptversammlung des Geflügelzuchtvereins mit.“ Wer nach einer Definition von Lokaljournalismus sucht: Das wäre eine.
mehr »

Mentale Belastungen im Journalismus

Immer mehr Journalist*innen fühlen sich in ihrem Beruf unwohl. Der Druck ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Zum einen werden Menschen, die journalistisch tätig sind, über Hasspostings in den sozialen Medien angefeindet. Zum anderen steigt der interne Druck durch Arbeitsverdichtung und Vorgesetzte. Mit Helpline bietet „Netzwerk Recherche“ seit einigen Jahren ein telefonisches Gesprächsangebot – anonym, vertraulich und kostenlos.
mehr »

Fairnesspreis für „Im Osten was Neues“

Der Deutsche Fairnesspreis wird jährlich im Rahmen der feierlichen Verleihung des DEUTSCHEN SCHAUSPIELPREISES als Gemeinschaftspreis des BFFS und der ver.di FilmUnion vergeben und prämiert. Das diesjährige Thema des Fairnesspreises lautete „Zusammenleben der Kulturen“. Der Preis wurde am 11. September in Berlin verliehen.
mehr »